Warum bleibe ich noch?

Das ist eine Frage, welche sich die meisten Frauen stellen und versuchen sich auch selbst zu beantworten.
Nur die Frage ist: Sind es die richtigen Antworten?

- Ich kann ihn nicht verlassen......
- da die Kinder einen Vater brauchen
- ich mit den Kindern finanziell nicht alleine leben kann
- und die meistgebrauchte Antwort ist: Er wird sich schon ändern. . . . .

Nein!

Er wird sich vermutlich nicht ändern und Du kannst ihn auch nicht ändern, aber Du kannst Dich ändern!
Du musst aber dazu bereit sein und wir werden Dir dabei helfen.


DER KREIS DER GEWALT

Phase 1

1.
Leichte Misshandlung
Opfer dementiert seine Gefühle, das hilft dem Opfer mit der Situation fertig zu werden, denn das Opfer glaubt verzweifelt daran, dass er sich ändert.
Opfer schiebt die Schuld auf äußere Einflüsse; nimmt die Schuld für die Gewalttat auf sich; dieses spornt das Verhalten des Misshandlers an, da er sich für sein Verhalten nicht rechtfertigen muss.

2.
Der Misshandler will nicht, dass sein Verhalten veröffentlicht wird.
Er bekommt Angst, dass das Opfer etwas erzählen würde, deshalb unterdrückt er es mehr und mehr.
Der Misshandler hält sich das Opfer als Gefangene erlerntes Hilflosigkeitssyndrom

3.
Wenn Phase 1 fortschreitet, erhöht sich die Häufigkeit der Misshandlungen.
Wutanfälle steigern sich
Das Opfer weiß, dass Phase 2 (siehe unten) wieder eintrifft, und versucht die äußere Situation unter Kontrolle zu bekommen wie z.B.: die Kinder so leise wie möglich zu halten, keine Telefonanrufe etc.
Bald wirken aber diese Meisterungstechniken nicht mehr.

4.
Der Misshandler steigert sein Besitzergreifen, Unterdrückung und Brutalität.
Das Opfer kann sich immer weniger gegen Schmerzen und sein Leid schützen.
Das Opfer zieht sich zurück; der Misshandler setzt es immer mehr unter Druck unerträgliche Spannung baut sich auf.
Das Opfer löst Phase 2 aus, um die unerträgliche Spannung zu brechen.

Phase 2

1.
Es sind 2 Charaktere in Phase 2:
a) Mangel an Kontrolle
b) Mangel an Berechenbarkeit

2.
- akute Misshandlung mit extremer Verheerung
- dauert normalerweise zwischen 2 - 24 Stunden
- einigen Reporten nach sogar mit Terror von einer Woche und mehr
- nur der Misshandler kann Phase 2 beenden
- es besteht ein Element der Vernichtung und das Opfer sieht die Nutzlosigkeit der Flucht.

3.
22 - 48 Stunden nach der akuten Misshandlung leiden Opfer oftmals an seelischen Zusammenbrüchen
Die Misshandlungsopfer isolieren sich; ein Arzt sieht sie meistens erst wenn eine natürliche Heilung stattgefunden hat.
In dieser Zeit besteht auch die Möglichkeit einer extremen sexuellen Misshandlung

Phase 3

1.
Eine ungewöhnliche Periode der Ruhe tritt ein
- Der Misshandler ist extrem liebevoll, gutmütig und reuevoll.
- Er sagt oft: Es tut ihm leid und verspricht es nie wieder zu tun.
- Er glaubt er behält die Kontrolle
- Er glaubt auch er habe seinem Opfer einen Denkzettel gegeben und habe es nicht nötig es noch einmal zu misshandeln.

2.
Die Misshandler beginnen mit eigenartigen Versprechungen:
- Sie versprechen, sie hören mit dem Trinken auf
- Sie überzeugen das Opfer, dass es gebraucht wird, suggerieren Schuldgefühle weil es ihn verlassen will.
- Sie suggerieren dem Opfer die Verantwortung für das Geschehene.
- Sie versprechen, dass sie Hilfe suchen werden (Psychologen, Therapeuten etc.) nur damit das Opfer sie nicht verlässt.

3.
Das Opfer meint der Misshandler wäre aufrichtig und liebevoll.
Das Opfer glaubt, wenn es dem Misshandler hilft, würde er sich ändern.
Zusammen können sie die Welt erobern.
Ein symbiotisches Paar: Beide so abhängig voneinander.
Während der Phase 3 (wenn liebevolle Zuneigung besonders stark ist) entsteht eine symbiotische Verbindung.
Phase 3 ist eine Zeit, in der fast alle Vorzüge der Ehe oder des Zusammenlebens entstehen; deswegen ist es dann für das Opfer besonders schwer zu gehen oder die Beziehung zu beenden.
Ruhiges, liebevolles Verhalten macht dann wieder den Weg frei zu leichter Misshandlung.
Phase 1 = Der Spannungsaufbau beginnt wieder.
Ein neuer Kreis der Gewalt: Schläge und Brutalität beginnen wieder.


Der Kreis der Gewalt

In der alltäglichen spannungsgeladenen Situation zwischen Misshandler und Opfer dreht sich dieses Rad der Gewalt fast unmerklich immer wieder. Beide - Täter und Opfer finden nur schwer einen Weg dieses Rad anzuhalten. Für Dich als Opfer haben wir mit diesem Informationsservice viele Hinweise und Informationen zur Verfügung gestellt, mit denen Du Dir selbst helfen kannst und anhand derer Du Dich vor weiteren Misshandlungen schützen kannst.
Dem Täter können wir nicht helfen. Dieser benötigt externe Hilfe.


(C) by: LMP-MEDIA


Risiken und Beispiele

Viele Frauen ertragen Misshandlungen ohne zu bedenken, dass es lebensgefährlich sein könnte.
Die Zahlen der verletzten Frauen durch Misshandlung übersteigt um ein Vielfaches die Zahl von verletzten Frauen durch Autounfälle.

Und doch gehen sie immer wieder zu ihren Misshandlern zurück, sie wollen die Familie zusammenhalten, die Kinder brauchen doch einen Vater.
Sie finden immer wieder Ausreden für sein Verhalten und hoffen darauf, dass er sich eines Tages ändert.

Tatsache ist: In den meisten Fällen wird dies nie eintreffen.
Die Misshandlungen fangen klein an und steigern sich an Häufigkeit und Brutalität, in manchen Fällen enden sie lebensgefährlich. Nachfolgend nun drei kleine Geschichten von Frauen, die auch daran glaubten, ihre Partner würden sich ändern.

1. Geschichte:
Er sagte, "wenn Du mich nicht provoziert hättest, hätte ich Dich nicht geschlagen". Er sagte, "Du kannst nichts richtig machen", und ich habe ihm geglaubt.
Es reicht mir, ich kann es nicht mehr ertragen. Ich bin müde und fühle mich erniedrigt. Genug ist genug!
3 Tage danach beging sie Selbstmord.

2. Geschichte:
Ich erinnere mich daran, als Du mich das erste Mal geschlagen hast, bevor wir geheiratet haben. Ein anderer Mann hat mit mir geflirtet.
Auf dem Nachhauseweg, hast Du mir eine Ohrfeige gegeben und mich eine Hure geschimpft. Ich dachte Deine Eifersucht wäre ein Zeichen Deiner Liebe zu mir, außerdem hat es Dir ja danach so Leid getan. Du hast mir versprochen es niemals wieder zu tun.
Nach 2 Jahren Ehe hat er sie erschlagen.

3. Geschichte:
Ich bin immer meinen Mann treu geblieben, er hat mich geschlagen, isoliert und sexuell misshandelt. Jahrelang habe ich darauf gehofft, er würde sich ändern, denn die Kinder brauchten doch Ihren Vater.

Kinder müssen doch Sicherheit in der Familie haben. Ich dachte, ich könnte noch so lange aushalten, bis die Kinder aus dem Hause sind........ich schaffte es nicht.

Im Juni 96' habe ich ihn verlassen, es war nicht einfach aber wir schafften es. Nach 3 Monaten fand ich heraus, dass er nicht nur mich sexuell misshandelt hatte, sondern auch unsere 3 jährige Tochter.


Wenn eine Trennung nötig ist

Das Verlassen eines Misshandlers kann sehr gefährlich sein, wenn er erst einmal herausfindet, dass die Beziehung, in der er die Kontrolle hat, zu Ende sein soll.
Das sollte aber für das Opfer kein Grund sein trotzdem zu bleiben.

Das Zusammenleben mit dem Misshandler ist gefährlich, da die Art der Gewalt in den meisten Fällen brutaler wird und der Misshandler präventive Angriffe ausübt, aus Angst allein zu bleiben.

Das verbunden mit der Vorahnung das Opfer könnte ihn verlassen, auch wenn es bis zu dem Zeitpunkt die Entscheidung noch nicht getroffen hat, erhöht das Risiko.

Ein Verlassen des Misshandlers kann zusätzliche Gefahren mitbringen (zumindest in der ersten Zeit).
Doch im Ganzen gesehen kann ein Opfer nur Sicherheit und Freiheit erlangen, wenn es den Misshandler verlässt.

Um die Sicherheit der Opfer und deren Kinder zu gewährleisten bedarf das Verlassen des Misshandlers eine strategische Planung und Hilfe und Schutz durch behördliche Einrichtungen.

Polizei, Frauen- und Mädchen-Häuser/Heime und das Opfer müssen zusammenarbeiten um sicher zu machen, dass die Trennung ohne weitere Gewaltsituation abläuft.

Wenn Du Dich entscheidest, Deinen Partner zu verlassen, solltest Du das vorher planen.
Du musst Dich bei verschiedenen Stellen erkundigen, wo Du Schutz und Unterkunft bekommst (z.B. Frauenhäuser), was Deine Rechte sind, wie Du Dich finanziell "über Wasser halten kannst", und was Du alles einpacken musst.
All das muss aber im Geheimen geschehen, damit Dein Misshandler nichts davon mitbekommt.

Nachfolgend sind einige Dinge aufgeführt, die Du evtl. nach der Trennung dringend benötigst:
- Geburtsurkunden für Dich und Deine Kinder
- Polizeiberichte von früheren Misshandlungen
- Geld
- Scheckbücher, Kreditkarten und Kontonummern
- Mietvertrag oder Kaufvertrag des Hauses oder der Wohnung
- Kranken-, Lebens- und Autoversicherungen
- Haus- und Autoschlüssel
- Medikamente (wenn nötig)
- Adressbuch(bücher) - Impfpässe
- Ausweise
- Schulunterlagen der Kinder wie Zeugnisse etc.
- evtl. vorhandene Scheidungspapiere inkl. Unterlagen für das Sorgerecht
- evtl. Heiratsurkunden
- Schmuck
- Kinderkleidung und kleine Spielsachen
- Brille oder Kontaktlinsen
- Sonstige private Sachen an denen Du hängst, die aber nicht zu groß sein dürfen.

Denke aber bitte immer daran:
Keines dieser Dinge ist so wichtig, wie Dein Leben oder das Deiner Kinder!

Wenn möglich versuche über einen größeren Zeitraum hinweg, solche Dinge an irgendeinem sicheren Platz zu verstecken.
Vielleicht hast Du auch eine Verwandte, eine Freundin oder Bekannte, die Dir dabei behilflich sein kann.
Wenn der Zeitpunkt des Verlassens kommt solltest Du nicht lange "herumirren" und suchen müssen. Unter anderen solltest Du Dir auch einen Sicherheitsplan vorbereiten.

Du kannst unsere Vordrucke benutzen. Die findest Du wie folgt: Klicke oben im Haupt-Menü auf den Button "Selbstschutz" und dort unten auf der Seite auf "Schutzplan-Download"!

Je mehr Du vorplanst, desto größer ist die Chance für Dich wegzukommen ohne dass ER Dich gleich findet.


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